Tantra – Eine neue Mundstückserie von Theo Wanne

Wer früher im Internet Informationen über Vintage-Mundstücke gesucht hat, kann wohl kaum an der Seite www.mouthpieceheaven.com von Theo Wanne vorbei. Diese Seite ist leider erloschen. Seit etwa 2005 hat Theo Wanne eine neue Webseite unter dem Namen www.theowanne.com. Unter „Knowledge“ sind die alten Infos wieder zu finden. Es gibt eine Seite mit einem Mundstück-Museum und eine Setup-Liste: Welcher Saxofonist spielte mit welchem Mundstück und welchem Blatt? Es gibt kaum jemanden, der so tiefe Einsicht in die Geschichte der Saxofon-Mundstücke besitzt wie Theo Wanne.

Seit 2007 nutzt Theo Wanne sein Wissen zur Herstellung eigener Saxofonmundstücke. Sein Ziel ist kompromisslose Qualität. sonic berichtete wiederholt über seine Anfertigungen. Das neueste Produkt von Theo Wanne, der bislang all seinen Serien Namen aus der Hindu-Mythologie gab, ist das Modell „Tanta“, das uns in der 7*-Ausführung für Alt- und Tenorsaxofon vorliegt. Dieses Modell ist auf  Theos Homepage aber nicht zu finden. Außer dem Modellnamen „Tantra“ findet man ein Yin-Yang-Symbol (nanu: indischer Hinduismus mit chinesischer Taoismus gemischt?), schließlich auf dem Schaft den Schriftzug Fiberreed. Dieser führt uns zur Lösung des Rätsels. Theo Wanne hat in Zusammenarbeit mit Harry Hartmann, dem Vater der synthetischen Fiberreed Blätter, Mundstücke seiner „Mantra“-Serie so modifiziert, dass sie ideal mit den Fiberreed Blättern harmonisieren. Worin genau die Modifikation besteht, war nicht herauszubekommen. Jedenfalls wurde so aus „Mantra“ „Tantra“. Speziell seine neuesten Fiberreed Hanf Blätter hatten beide im Blick, wobei die „Tantra“ Mundstücke auch mit allen anderen Fiberreed Blättern sowie mit normalen Holz-Blättern kombinierbar sein sollen.

Sonic erhielt zwei vergoldete „Tantra“ 7* jeweils für Alt- und Tenorsax. Beide Mundstücke sind in einem speziellen Verfahren vor der Vergoldung mattiert. Die Nummerierung entspricht der Otto Link Kennzeichnung. Ansonsten hat sich die innere Geometrie deutlich von den ursprünglichen Vorbildern entfernt: Es sind Mundstücke mit mittel-offener Kammer. Die Rückwand ist erhöht, die Seitenwände sind gerade. Der Luftstrom gelangt über eine gebrochene Stufe in die Kammer. Bereits die Verpackung signalisiert, dass wir keine Massenprodukt in Händen halten: In der Pappschachtel findet sich ein feines Lederetui mit Reißverschluss, darin endlich das Mundstück. Von Anfang an ist dieses mit einer Kunststoffkappe versehen, die das Mundstück schützt, solange kein Blatt eingespannt ist. („Reed Replacing Cap*). Dieses Unikum ist durchaus nützlich, wenn man sieht, wie manche Musiker ihre Mundstücke lose im Zubehörfach des Saxofonetuis umherpurzeln lassen. Der empfindlichen Spitze kann mit der Schutzkappe, die anstelle des Blatts eingespannt wird, nichts zustoßen. Allerdings fehlt nach wie vor die Kappe, die das eingespannte Blatt in Spielpausen schützt. Hier verweist Theo Wanne lediglich auf die als Zubehör angebotene „Mouthpiece Cap for Use with Reed On“, welche gesondert erworben werden muss! Das ist in Anbetracht des hohe Preises kaum akzeptabel. Von Anfang an unverändert sind Wanne Mundstücke mit einer besonderen Blattschraube („Liberty Ligature“) mit Patent-Befestigung ausgestattet. Die Schraube umschließt nicht das ganze Mundstück. Stattdessen gibt es auf jeder Seit eine Reihe von fünf Löchern. Die Ligatur ist nur über zwei Madenschraube („Set Screws“) verbunden. Diese Schrauben sollten nicht fest angezogen werden, sondern etwas lose sein, damit sich die Ligatur um die Schraublöcher wie um eine Achse frei bewegen kann. Auf diese Weise ist die Blattschraube akustisch nahezu völlig vom Mundstück isoliert. Es gibt für die „Liberty Ligature“ auswechselbare Druckplatten in verschiedenen Stärken und aus unterschiedlichem Metall. Schraubenwerkzeuge zum Lochwechsel und Wechsel der Druckplatte werden als Zubehör mitgeliefert.

Spieltest

Das 7* Tenor passt gut zu dem Fiberreed Hemp Medium. Von den tiefsten Tönen bis ins Flageolett-Register spielt sich die Kombination leicht. Der Klang ist kräftig und dominierend, was weniger den Blättern als der Mundstück-Form geschuldet ist. Von der ursprünglich angestrebten Orientierung  an Link-Spieleigenschaften (Wanne „Parvati“) ist dieses Werkstück klanglich ein gutes Stück weit entfernt. Es richtet sich an Saxofonisten, die einen härteren, durchsetzungsfähigen Ton wünschen. Wir verglichen mit dem gewohnten Holzblatt (Vandoren ZZ 2 ½). Holz bringt etwas weniger Lautstärke, etwas weniger Brillanz, das Holzblatt reagiert im Flageolett-Bereich etwas folgsamer, da muss man sich auf dem anderen Blatt doch ein wenig eingewöhnen. Von den manchmal bei synthetischen Blättern  beobachteten Schwächen bei leisem Spiel in der tiefen Lage ist dagegen nichts zu bemerken.

Das 7* Alt wurde ebenfalls mit einem Fiberreed Hemp Medium gespielt. Diese Kombination war nicht nach unserem Geschmack. Die Ansprache war weder superleicht, der Ton jedoch brüllend laut und schneidend. Der anschließende Versuch mit einem 2 1/2er Holzblatt war klanglich weniger gefährlich, aber immer noch nicht nach unserem Gusto. Das ist etwas für die ganz Harten. Diese Anfertigung ist waffenscheinpflichtig und nur in den Händen eines wirklich erstklassigen Saxofonisten erlaubt. Die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden, uns jedenfalls gefiel das „Tantra“ Alt – insbesondere mit dem Fiberreed – deutlich weniger als die Tenor-Kombination.

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